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Elektro

Sicherungsauslegung Referenz

Die Überlastbedingungen nach IEC 60364-4-43, gG-Sicherung vs. LS-Schalter Auslösestrom, LS-Kennlinien und die Normreihe. Ergänzung zum Tool Sicherungsauslegung.

Stand: Juni 2026

Abkürzungen

IECInternational Electrotechnical Commission
Die internationale Organisation, die elektrische Sicherheitsnormen für weite Teile der Welt außerhalb Nordamerikas festlegt. Wenn eine Tabelle eine IEC-Nummer nennt, verweist sie auf das offizielle Regelwerk hinter einer Berechnung.
LS-SchalterLeitungsschutzschalter
Der Schalter im Sicherungskasten, der automatisch auslöst (abschaltet), wenn ein Stromkreis zu viel Strom zieht, und so die Leitung vor Überhitzung schützt. Im Gegensatz zu einer klassischen Schmelzsicherung lässt er sich zurücksetzen und wiederverwenden.
gGgG-Sicherung (Ganzbereich, Allzweck)
Ein gängiger Sicherungstyp für den allgemeinen Schutz von Kabeln und Geräten vor Überlast und Kurzschluss — der übliche Sicherungstyp in einem Gewerbe- oder Industrieverteiler.

Die zwei Überlastbedingungen (IEC 60364-4-43)

Bedingung 1: IB ≤ In ≤ IZ

Bemessungsstrom ≤ Gerätebemessung ≤ Leiterstrombelastbarkeit — das Gerät muss die erwartete Last tragen, ohne selbst zum begrenzenden Faktor zu werden, und darf nicht mehr beanspruchen, als das Kabel dauerhaft sicher führen kann.

Bedingung 2: I₂ ≤ 1,45 · IZ

Der konventionelle Auslösestrom (der Strom, der ein Auslösen des Geräts innerhalb der normgerechten Zeit garantiert) darf 145 % der Leiterstrombelastbarkeit nicht überschreiten — das schützt das Kabel tatsächlich vor dauerhafter Überlastung, nicht allein die Nennbemessung.

Konventioneller Auslösestrom (I₂) nach Gerätetyp

GerätI₂Praktische Auswirkung
gG-Sicherung (≥ 16 A)1,6 × InBenötigt mehr Leiterreserve — Bedingung 2 ist bei gG-Sicherungen meist die maßgebliche Grenze
LS-Schalter (IEC 60898)1,45 × InEngerer Spielraum zwischen Bemessung und Leiterstrombelastbarkeit nötig als bei gG

Da der I₂-Faktor von gG (1,6) höher liegt als der Grenzwert 1,45 selbst, benötigt eine gG-Sicherung zusätzliche Leiterreserve über I_n ≤ I_Z hinaus — ein LS-Schalter gleicher Nennbemessung kann manchmal funktionieren, wo eine gG-Sicherung dieser Bemessung Bedingung 2 nicht erfüllt.

LS-Kennlinien (IEC 60898)

Die Kennlinie legt das momentane (Kurzschluss-)Auslöse-Vielfache fest — sie ändert nichts am Überlastverhalten (I₂) oben, sondern nur, wie schnell der Schalter bei hohem Fehlerstrom oder Einschaltstrom auslöst.

KennlinieMomentanauslösungTypischer Einsatz
B3 – 5 × InOhmsche Lasten, lange Kabelstrecken, Wohnbau-Endstromkreise — empfindlich gegen Fehlauslösung durch Einschaltstrom
C5 – 10 × InAllzweck — kleine Motoren, Leuchtstofflampen, moderate Einschaltströme. Häufigster industrieller Standard
D10 – 20 × InHohe Einschaltströme — Transformatoren, große Motoren, Röntgengeräte, Schweißanlagen
K8 – 12 × InMotorstromkreise mit engerer Koordination als C, seltener eingesetzt
Z2 – 3 × InHochempfindliche elektronische/Halbleiterstromkreise — niedrigste Auslöseschwelle

Normreihe

ReiheÜbliche Bemessungen (A)
IEC 60898 LS-Schalter6, 10, 13, 16, 20, 25, 32, 40, 50, 63
IEC 60269 gG-Sicherung6, 10, 16, 20, 25, 32, 40, 50, 63, 80, 100, 125, 160, 200, 250

Der Rechner durchsucht die jeweilige Reihe und liefert die kleinste Bemessung, die beide Bedingungen erfüllt — manuell „eine Größe höher" zu wählen, ohne Bedingung 2 erneut zu prüfen, kann eine unzulässige Kombination ergeben.

Häufig gestellte Fragen

gG-Sicherung vs. LS-Schalter — was ändert sich tatsächlich?

Der konventionelle Auslösestrom I₂ unterscheidet sich: eine gG-Sicherung nutzt ~1,6×In (ab 16 A), ein LS-Schalter 1,45×In. Da Bedingung 2 I₂ auf 1,45×IZ begrenzt, benötigt eine gG-Sicherung effektiv mehr Leiterreserve als ein LS-Schalter gleicher Nennbemessung, um dieselbe Überlastbedingung zu erfüllen.

Kann ich einfach die nächsthöhere Normbemessung wählen?

Nur wenn beide Bedingungen bei der neuen Bemessung weiterhin erfüllt sind. Bedingung 2 (I₂ ≤ 1,45·IZ) ist bei gG-Sicherungen meist die maßgebliche Grenze — eine Stufe höher zu gehen kann sie verletzen, selbst wenn Bedingung 1 (IB ≤ In ≤ IZ) noch unauffällig wirkt. Immer beide Bedingungen erneut prüfen, nicht nur die Bemessung erhöhen.

Beeinflusst die Kennlinie (B/C/D) den Kabelschutz?

Nein — der Überlastschutz (die IB/In/IZ/I₂-Bedingungen oben) ist unabhängig von der Kennlinie. Die Kennlinie bestimmt nur die Momentanauslösung bei Kurzschluss/hohem Einschaltstrom. Die Wahl B/C/D ist eine separate Entscheidung, die vom Einschaltstromverhalten der Last und der Kurzschlusskoordination abhängt, nicht vom Überlastschutz.

Wie hängt das mit dem Strombelastbarkeits-Rechner zusammen?

Zuerst das Kabel mit dem Strombelastbarkeits-Rechner dimensionieren, um IZ zu ermitteln, dann diesen IZ-Wert hier zur Koordination des Schutzgeräts nutzen. Das Schutzgerät vor dem Kabel zu dimensionieren riskiert eine Gerätebemessung, die der Leiter tatsächlich nicht trägt.